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Startseite - News - News Archiv 2008 - 10.11.2008 FW: Kommunale Behindertenbeauftragte zu Gast

10.11.2008 FW: Kommunale Behindertenbeauftragte zu Gast

 

Tagung

Kloster – Kühlschrank – Kirche
Kommunale Behindertenbeauftragte zu Gast / Über Barrierefreiheit der Skisporthalle diskutiert

Von Margit Dressel

SCHMALKALDEN – Die „Klostervision“ des Fachbereiches Informatik und die Skisporthalle Oberhof lockten die kommunalen Behindertenbeauftragten des Landes Thüringen nach Schmalkalden. Landrat Ralf Luther begrüßte die 20 Gäste in der Fachhochschule.

Kommunale Behindertenbeauftragte, erläuterte Markus Lorenz, Referent des Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen beim Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit, kümmern sich um die Belange von Menschen mit jeder Art von Behinderung. Davon seien, so Lorenz, zehn Prozent der Gesamtbevölkerung des Freistaates betroffen. In Landkreisen und Städten mit weniger Einwohnern sind die kommunalen Behindertenbeauftragten gleichzeitig auch Gleichstellungsbeauftragte. Hierbei gehe es „nur“ um die Gleichstellung von Mann und Frau.

Im Landkreis Schmalkalden-Meiningen ist Sigrid Kürschner für beide Bereiche zuständig. Als Gastgeberin fand sie im Fachbereich Informatik der Fachhochschule nicht nur mit einem geeigneten Tagungsraum Unterstützung. Prof. Dr. Ralf Böse stellte die „Klostervision“ vor. Dabei wird die Geschichte des Klosters Georgenthal sinnlich begreifbar gemacht. Bisher einzigartig in der Welt gelang es mit Computeranimation und Einspielungen, mit realen Schauspielern einen Ausschnitt aus der Mikro-Geschichte Thüringens zu erzählen. Der Film wurde dreidimensional produziert und wird vom synthetischen, dreidimensionalen Sound begleitet. Zu dem technologisch anspruchsvollen Projekt gehört ein räumliches Tastmodell der Klosteranlage. Den Film mit dem Titel „Man nennt mich Frieden“ erlebten die Tagungsteilnehmer im „Informatik-Kino“ mit 3-D-Brille und zeigten sich davon sehr beeindruckt.

Gestaunt wurde auch bei den Ausführungen von Heiko Kümmel über den Bau der Skisporthalle in Oberhof. Der Fachdienstleiter im Landratsamt schilderte, wie das weltweit einzigartige Projekt gegenwärtig entwickelt wird. In gut einem halben Jahr müsse es betriebsbereit sein. Nach einem Behördenplan sei es zunächst als Trainingszentrum für den Leistungssport konzipiert worden. Genau vor einem Jahr ging die Bauträgerschaft von der Stadt Oberhof an den Landkreis Schmalkalden-Meiningen über. Jetzt entsteht eine Skihalle, die auch von Touristen genutzt werden kann. Heiko Kümmel stellte anschaulich dar, welche Probleme der Trägerwechsel mit sich gebracht hat. Denn um das nüchterne Behördenprojekt muss ein besucherfreundlicher Rahmen gebaut werden, um das Millionenobjekt mehrfach nutzen zu können. Eiserner Grundsatz ist: Der Leistungssport hat Vorrang.

Der Referent betonte, dass die zukünftigen Besucher das Skifahren beherrschen müssten. Denn die Strecke habe Steigungen von zwölf Prozent. So werde beispielsweise auf 80 Meter ein Höhenunterschied von elf Metern überwunden. Diese Abfahrt endet in einer engen Kurve. Die Wände der Skihalle sind blanker Beton, nicht – wie in anderen Sporthallen – noch einmal abgefedert. Für die Besucher würden Skischulen angeboten. Die Zeiten für den öffentlichen Betrieb werden begrenzt sein. Landrat Ralf Luther kündigte an, dass die Halle, mit Unterbrechungen, am Tag bis 22 Uhr geöffnet sein wird.

Obwohl das Bauwerk auf schwierigem Gelände errichtet wird, können es Menschen mit Behinderungen barrierefrei erreichen. Eine Eingangshalle und darunter eine Halle mit Umkleideräumen können maximal 150 Besucher aufnehmen. Die Hallen haben Schiebetüren, die sich automatisch öffnen. Im ganzen Komplex sind die Fußbodenbeläge rutschfest. Weil Schnee an den Schuhen glatte Beläge zu Rutschbahnen macht. Türbreiten sind für Rollstuhlfahrer ausgelegt, ebenso gibt es Behindertentoiletten. Demnächst, so Heiko Kümmel, soll der Kreistag einen Anbau an die Skihalle für ein Bistro beschließen.

Geplant sei auch eine Galerie, von der aus die Besucher den Sportlern zuschauen können. Allerdings könne derzeit nicht davon ausgegangen werden, dass diese Galerie für Menschen mit eingeschränkter Mobilität geeignet sei. Nach außen müssten Flügeltüren eingebaut werden, weil Schiebetüren vereisen könnten, nannte er eine weitere Einschränkung.

„Wir bauen den größten Kühlschrank der Welt.“ Der Energieverbrauch sei optimiert worden. Erneuerbare Energien allerdings seien nicht eingeplant. Da der Landkreis die Bauträgerschaft erst später übernahm, sei dies nicht mehr möglich gewesen. Farbe werde es nur in den öffentlichen Bereichen geben. Ansonsten dominiere das reflektierende Weiß.

Die gesamte Anlage wird videoüberwacht. Das sei eine Forderung der Skisportverbände und diene nicht dazu, „die Leute auszuspionieren“. Für die Eintrittskontrolle sei ein offenes System vorgesehen, bei dem die Besucher sich nicht durch Drehkreuze zwängen müssten. Wie hoch die Eintrittspreise sein werden, steht noch nicht fest.

 

Komfort für alle

Am Nachmittag zeigte die Leiterin des Fremdenverkehrsamtes, Marina Heldt, den Gästen die Stadt. Auf einer Skala von 1 bis 6 attestierte der Referent des Landesbeauftragten in puncto Behindertenfreundlichkeit der Stadt „einen guten Durchschnitt“. Angetan zeigte sich Markus Lorenz vom Pflaster des Altmarktes, das gut für Rollstuhlfahrer sei. Gelobt wurden die Induktionsschleifen für Hörbehinderte in der Stadtkirche.

Insgesamt stellte Lorenz fest, dass sich vieles bewege für Menschen mit Behinderungen. Zunehmend sei das Anliegen ein generationsübergreifendes Thema. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels werde eine Infrastruktur, die allen zugute komme, immer wichtiger.

Mobilitätseinschränkungen haben auch kleine Kinder, ältere Menschen und Übergewichtige. „Barrierefrei“ sei somit ein Komfort für alle Menschen.

 

Quelle: FW Ressort Schmalkalden Erschienen am 10.11.2008