Besuch bei der Diakonie Westthüringen in Eisenach

am Donnerstag, 21 März 2013. Posted in Politik

Am 11. März 2013 besuchte Maik Nothnagel, Inklusionspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. im Thüringer Landtag die Werkstatt für Menschen mit Behinderungen in der Eisenacher Altstadtstraße. In dem sanierten Gebäude des ehemaligen Betriebes Elektrotechnik Eisenach arbeiten behinderte Menschen in geschützter Umgebung in verschiedenen Werkstätten und auch Räumen zur therapeutischen und künstlerischen Beschäftigung.

In Begleitung von Geschäftsführerin Petra Braun fanden ein Gespräch mit dem Werkstattrat und ein anschließender Rundgang zu den verschiedenen Arbeitsplätzen statt.

Aufschlussreich war das Gespräch mit den Mitgliedern des Werkstattrates, der die Interessen der behinderten Kolleginnen und Kollegen vertritt.

Ein Inklusionspolitischer Sprecher der LINKEN fragt natürlich danach, wie lange die Mitglieder des Werkstattrates schon hier arbeiten. Die Antworten umfassen eine recht lange Zeit zwischen 30 und 35 Jahren und insgesamt wenigen Außenarbeitsplätzen in „normalen“ Betrieben. Die UN-Behindertenrechtskonvention mit der Forderung nach Teilhabe auf allen Gebieten des öffentlichen Raumes ist den Gesprächspartnerinnen bekannt, aber es hat sich nach vieri Jahren des Inkrafttretens der Konvention nur wenig geändert. Die Frage von Maik Nothnagel in die Gesprächsrunde, was sich denn verändern müsse, wurde ohne zu Zögern von Stefan Engel, der dem Werkstattrat vorsteht, beantwortet: „Die Förderung muss früh einsetzen, nicht durch separate Förder- und Sonderschuleinrichtungen, sonder mitten in der Gesellschaft als Normalität des Lebens für alle, nicht nur für Menschen mit Behinderungen. Nur so kann Verständnis, Akzeptanz und Unterstützung von Menschen mit Behinderungen erreicht werden und selbstverständlicher Alltag sein.

Das dies noch ein langer Weg ist, zeigt auch das Verhalten der Geschäftsführerin selbst, die einem Mitglied des Werkstattrates mit der Bemerkung ins Wort fällt, dass bei einem Arbeitsplatz in einem Betrieb und einem eigenständigen Leben, das er sich vorstellen kann, doch auch die Vorteile entfielen, die man als Behinderter in einem geschützten Umfeld hat.

Das ist eben jene Denkweise, die der UN-Behindertenrechtskonvention entgegensteht. Beim anschließenden Rundgang durch die Werkstätten war eben auch zu spüren, dass es bei der Ansprache der dort Beschäftigten durch die „Chefin“ an der Einfühlsamkeit fehlt, die dem behinderten Menschen die volle Achtung und Gleichberechtigung zuteil werden lässt.

Das hat nichts damit zu tun, dass natürlich in den verschiedenen Bereichen der Werkstatt und in der Förderung der dort Tätigen und Betreuten nicht Gutes und Richtiges geleistet wird. Das ist sehr anerkennenswert und dankenswert – ohne Frage. Der Weg der Inklusion von behinderten Menschen, die Gewährung eines selbst bestimmten Lebens ist noch lang und muss zuerst in den Köpfen beginnen. Das ist ohne Vorwurf gesagt, weil zuerst die Betroffenen am deutlichsten verstehen, was es heißt, als defizitärer Mensch betrachtet und behandelt zu werden. Die anderen werden es leicht lernen, wenn sie die Möglichkeit haben, zu sehen und zu fühlen, wie Menschen mit Behinderungen wirklich sind und wie auch sie selbst dadurch gestärkt und gefördert werden, wenn ein vorurteilsloses Miteinander gelebt werden kann.