Das inklusive Bildungssystem – eine Herausforderung für alle Beteiligten

am Samstag, 07 Dezember 2013.

In dem von der Landesregierung am 9. Juli 2013 beschlossenen Entwicklungsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ist vorgesehen, bis 2020 in Thüringen ein von der Kindertagesbetreuung bis zur Berufsausbildung reichendes inklusives Bildungssystem einzuführen. 

Dieser Prozess der Neuordnung der Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf – weg von separierenden Formen der Förderung und hin zu inklusiver Schule und inklusivem Unterricht – ist auch in Thüringen punktuell seit mehreren Jahren in Gang. Erste praktischen Erfahrungen und Probleme und ihre wissenschaftliche Bewertungen liegen vor. Aber auch Vorbehalte gegenüber dem gemeinsamen Unterricht werden zunehmend artikuliert und die Inklusion wird teilweise verteufelt. 

Es wäre an der Zeit, dass die weitreichende Umgestaltung der Bildungsangebote hinsichtlich eines gemeinsamen Unterrichts zur Sache des Landtages sowie aller Beteiligten, der Bildungs- und Schulträger, der kommunalen Spitzenverbände und der Betroffenenorganisationen wird, die über die Arbeit im Inklusionsbeirat hinausgeht. 

Es bedarf eines breiten Dialogs mit allen Beteiligten um neben dem Abstecken der einzelnen Schritte für den gemeinsamen Unterricht vor allem Ängste und Vorbehalte auszuräumen. 

Es geht m.E. um die fachliche und personelle Sicherung und Koordinierung der sonderpädagogischen Förderung im gemeinsamen Unterricht, die Beratung der Lehrkräfte hinsichtlich der Anforderungen eines inklusiven Bildungswesens, die Beratung der Eltern und Schüler sowie der sonderpädagogischen Diagnostik. 

Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention erfordert einen Paradigmenwechsel. Menschen mit Behinderung sind nicht mehr „Objekt der Fürsorge“ sondern ein „Rechtssubjekt“. Dazu sind für den gemeinsamen Unterricht alle notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. Diese reichen von der Barrierefreiheit der Bildungseinrichtungen über die Bereitstellung notwendiger Lehr- und Lernmittel bis hin zu notwendiger Assistenz und sonderpädagogischer Betreuung. In diesem Zusammenhang steht das System der Förderschulen auf dem Prüfstand und bedarf einer konzeptionellen Überarbeitung. Aber gerade hier formiert sich breiter Widerstand. 

Zum anderen habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Umgang mit Kindern mit Förderbedarf im gemeinsamen Unterricht vor allem ein Problem für Lehrerinnen und Lahrer darstellt. Ängste und Vorbehalte werden von diesen in zahlreichen Diskussionen benannt. Für mich ergeben sich aus den Diskussionen mit den Lehrerinnen und Lehrern vor allem solche Fragen, wie 

  • Wann und wie intensiv werden diese durch wen auf die neuen Bedingungen eines gemeinsamen Unterrichts vorbereitet?
  • Welche Kompetenzen können durch wen den Lehrerinnen und Lehrern vermittelt werden?
  • Welche Formen der Unterrichtspraxis des gemeinsamen Unterrichts haben sich bewährt und werden präferiert?