Die ersten Schritte in ein selbst bestimmtes Leben

am Mittwoch, 03 Oktober 2012. Posted in Politik

Einen Eindruck davon verschaffte sich Maik Nothnagel, Politiker und inklusionspolitischer Sprecher in der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, bei einem Besuch in der Evangelischen Integrativen Kindertagesstätte „Münze“ der Diako Kinder- und Jugendhilfe gGmbH in Eisenach am 24. September 2012.

Herr Wolfert, Leiter der Einrichtung und als Erzieher in einer Kindertagesstätte immer noch eine Ausnahmeerscheinung, stellte seine Einrichtung vor: 64 Plätze, davon 16 integrative Plätze bietet das Haus vom 2. Lebensjahr an bis zur Einschulung. 12 Mitarbeiter, darunter 4 Vollzeitkräfte, betreuen Kinder mit und ohne Behinderung, die hier gemeinsam den Tag verbringen. „Das birgt die Chance, den Kindern von klein auf die Angst vor Andersartigkeit zu nehmen, ihre Toleranz zu fördern und die Tatsache, dass Menschen verschieden sind und unterschiedliche Zuwendung benötigen, als völlig normal zu betrachten“, so das erklärte Ziel.

Der Personalschlüssel nach dem neuen Kitagesetz von 2010ermöglicht die Bildung kleinerer Gruppen und die Kompensation von Ausfallzeiten. Im Gespräch wurden auch Probleme angesprochen wie zum Beispiel die Bewilligungen von therapeutischen Hilfsmitteln und  von Zusatzpersonal, die viel zu lange dauern und dadurch noch nicht vorhanden sind, wenn sie gebraucht werden.

Eine gute Zusammenarbeit besteht mit dem Arbeitskreis Integration der Stadt Eisenach, auch in Bezug auf die wohnortnahe Betreuung der Kinder. Es gibt neben der „Münze“ noch zwei weitere integrative Kindertagesstätten in der Stadt.

Ein Rundgang durch die Räume und Außenanlagen der KITA „Münze“macht augenscheinlich, dass den individuellen Bedürfnissen und Wünschen der Kinder Rechnung getragen wird und  dem Anliegen, jedes Kind so anzunehmen wie es ist und es in seiner Entwicklung zu begleiten und zu fördern, auch die Ausstattung entspricht.

Die ersten Schritte in ein selbst bestimmtes Leben für Kinder mit Einschränkungen, nicht abseits des „normalen Lebens“ sondern mittendrin mit der Förderung ihrer individuellen Fähigkeiten, nehmen hier einen guten Anfang. Dieser gute Anfang endet dann aber meistens mit dem Schulbeginn, weil es an einem inklusiven Bildungssystem fehlt. „Das bedeutet, so Maik Nothnagel, dass letztlich Menschen mit Behinderungen  doch wieder unter sich bleiben müssen und die Behindertenwerkstatt der Ort ist, an dem die meiste Lebenszeit verbracht werden muss“. Den behinderten Kindern die Schultüren zu öffnen, bleibt, auch aus eigener leidvoller Erfahrung, sein wichtigstes Anliegen  Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen verpflichtet die Bundesländer, ein inklusives Bildungssystem bereit zu stellen. Jedoch bedarf es dazu nicht nur der Institutionen, sondern auch des Verständnisses und der Mitwirkung der Eltern. Ein Bewusstseinswandel tut Not, der zum Ziel hat, Menschen mit Behinderungen nicht an ihren Defiziten zu messen, sondern an dem, was sie vermögen.

Das können sie inmitten der Gesellschaft besser als in im Grunde abgeschlossenen Gemeinschaften. „Die Eltern zu ermutigen, für diese offenen Lebenswege ihrer Kinder zu streiten, dazu kann auch die integrative Kindertagesstätte beitragen.“ Das ist auch ein Fazit des interessanten Gesprächs mit Herrn Wolfert, verbunden mit einem Dankeschön, für die Zeit, die er sich dafür genommen hat.