Frei und verantwortlich – ein Gespräch mit Gewinn

am Dienstag, 20 November 2012. Posted in Politik

Frei und verantwortlich – ein Gespräch mit Gewinn

Zu den Einrichtungen seit der Eröffnung seines Wahlkreisbüros in Eisenach, die Maik Nothnagel als Landtagsabgeordneter und inklusionspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. kennen lernen wollte, gehört das Diakonische Bildungsinstitut „Johannes Falk“ in Eisenach. Das ermöglichte dankenswerter Weise Schulleiter Uwe-Karsten Röder am 12. November 2012  - ein Gespräch mit Gewinn.

Die Ausbildungsrichtungen für soziale Berufe am Institut sind vielfältig, einschließlich der Fort- und Weiterbildung. Auch die Projektarbeit gehört dazu, wie das Filmprojekt „it works!“ zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Thüringen, dessen Träger  die Eisenacher Bildungseinrichtung ist -  gefördert von der „Aktion Mensch“. In gemeinsamer Arbeit von behinderten und nicht behinderten Menschen untersucht das Filmprojekt noch bis Ende Februar 2013, wie der Geist der Konvention in Thüringen aufgegriffen wird, der zu einem Paradigmenwechsel für Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft führen soll.

Sehr schnell wird in solchen Gesprächen der Grundkonflikt im Umgang mit behinderten Menschen deutlich: Andere definieren und entscheiden, was für Betroffene gut ist.

Das spielt auch in der Ausbildung eine Rolle, wie von Herrn Röder anhand der Debatte um das Berufsbild Heilerziehungspfleger deutlich wird. Auch zeigte eine Fachtagung zur Inklusion, an der Herr Röder teilnahm das Problem: Sie fand ohne Menschen mit Behinderungen statt. Selbstbestimmt wollen behinderte Menschen leben und nicht über ihre Mängel definiert werden. Eines der drei Bildungsziele des Diakonischen Bildungswerkes unterstreicht diesen Anspruch:“…das der Mensch in seiner Begegnung mit der Umwelt sich selbst gestalte zu einem Freien und Verantwortlichen und das er endlich zu einem Gestalter werde in und an seiner Umwelt.“  Die Umsetzung in der Ausbildung birgt jedoch einen Konflikt – die finanziellen Möglichkeiten dafür. Und so bleibt Maik Nothnagels Frage, was er in der Politik tun kann, von Herrn Röder nicht unbeantwortet. So ist es nicht nachvollziehbar, warum für Schulen in freier Trägerschaft die Schülerkostensätze abgesenkt wurden  Es geht doch um gleiche Bedingungen für die Auszubildenden, nicht um die Trägerschaft. Und: Warum werden Schülerkostensätze  in Bezug auf  Ausbildungsgänge so unterschiedlich gehandhabt?  So sind die Schülerkostensätze beispielsweise für die Ausbildung von Kosmetikerinnen höher als die für die sozialen Berufe und auch wiederum für die einzelnen Berufe in dieser Ausbildung unterschiedlich hoch?  Das ist nicht verständlich, denn alle Auszubildenden haben den gleichen Anspruch darauf, die Einrichtungen gut ausgebildet zu verlassen. „Zudem ist auch nicht vertretbar, dass die Schülerkostensätze in den alten Ländern höher sind als in den neuen Ländern“ macht Herr Röder deutlich.

Ein zweites Problem für Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft ist, dass sie sich im Unterschied zu staatlichen Einrichtungen um ihre Immobilien selbst kümmern müssen, ohne dass die Ausbildung darunter leidet. Und ein Drittes ist, dass  Berufsschullehrer  als Lehrer eingesetzt werden sollen. Da es diese für Ausbildungsgänge im sozialen Bereich nur selten gibt, entsteht dadurch ein Problem. Genehmigungen werden so nur befristet und mit weiteren Auflagen ausgesprochen. Dieser Entscheidungsrahmen bewirkt, dass in Theorie und Praxis erfahrene Menschen keine Dozentur besetzen dürfen, weil sie zwar über die Voraussetzung der fachlichen Kompetenz verfügen, aber eben keine Berufsschullehrer sind. In anderen Bundesländern ist das doch auch geregelt.

Dazu kommen das generelle Problem des Niedriglohns in den sozialen Berufen und die damit verbundene Frage, wo junge Menschen die Motivation hernehmen sollen, solche so wichtigen, notwendigen Berufe zu ergreifen?  Ein Sack von sehr berechtigten Fragen,  mit denen Maik Nothnagel das Thüringer Kultusministerium in Bewegung bringen wird.

Und da er selbst in einem sozialen Beruf ausgebildet ist und über reichhaltige Praxiserfahrungen, auch als Dozent, verfügt und als behinderter Mensch auch weiß, worüber er redet, wenn er sich für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention einsetzt, hat er angeboten, wenn es gewünscht wird, zu diesen Fragen  das Diakonische Bildungswerk Eisenach  als Referent zu unterstützen. Dieses Gespräch war ein Gespräch mit einem großen Gewinn.