Geruchs- und Tasterlebnis im Rennsteiggarten

am Mittwoch, 06 August 2014.

Den Rennsteiggarten in Oberhof erkundeten Blinde und Sehbehinderte aus dem Landkreis genauso wie das Lohmühlen-Museum in Tambach-Dietharz. Eine Spende der Alternativen Liste 54 nahmen sie auch entgegennehmen.

Oberhof - Sich an der Pracht der Blüten und an der sehenswerten Grünanlage zu erfreuen, das war Anliegen von etwa 40 Blinden und Sehbehinderten. Wenn die Kraft der Augen nicht mehr ausreicht oder gar verloren ist, um das schöne Bild der Natur wahrzunehmen, müssen andere Sinne aushelfen. So setzten die Sehbehinderten kürzlich im Rennsteiggarten vor allem auf den Tast- und den Geruchssinn. Mitarbeiter der Einrichtung hatten Edelweiß, Steinbrech und Hauswurz bereitgestellt, damit diese von den Teilnehmern erkundet werden konnten. Auch Beerentraube und Sumpfpost sowie Habichtskraut lagen auf den Tischen. Deren Oberflächen wurden ertastet. Da gab es welche, die sich ganz weich anfühlten, andere waren eher pelzig oder ganz rau, berichtete Wolfgang Leffler. Gerade der Sumpfpost sei obendrein im Geruch sehr markant, so der Vorsitzende des Kreisverbandes der Blinden und Sehbehinderten.

Ihm gleich tasteten und fühlten Mitglieder aus Meiningen, Schmalkalden, Zella-Mehlis und aus Rhöngemeinden an den Pflanzen. Verschiedene Kräuter sollten sie anschließend unterscheiden. Der Besuch im Rennsteiggarten gestaltete sich zu einem sehr intensiven Geruchs- und Tasterlebnis. Nur die gelbe Arnika, das Symbol für den Thüringer Wald, konnten die Teilnehmer freilich nicht sehen. Dafür war es ihnen aber bei dem Rundgang mögliche, verschiedene Pflanzen zu befühlen - ihre Sträucher und Äste, Blätter und Knospen. Interessant für sie waren auch die Schilderungen und Erklärungen über die Geschichte und den Aufbau des Rennsteiggartens.

Zu dem Ausflug war auch Maik Nothnagel (Die Linke) gekommen. Der Landtagsabgeordnete gehört dem Verein Alternative Liste 54 an. Der besteht aus Linksabgeordneten des Thüringer Landtages, die gegen eine automatische Erhöhung der Diäten sind. Die Diäten-Steigerung steht im Paragraf 54 der Thüringer Verfassung festgeschrieben. "Weil wir gegen diese Selbstbedienungsmentalität sind, spenden wir alle in der Fraktion den Teil, den die Erhöhung ausmacht. Bei mir sind das derzeit jeden Monat 215 Euro", sagte Maik Nothnagel. Diese Gelder würden für soziale, sportliche oder kulturelle Projekte gespendet.

 

Notdienst-Probleme

In den vergangenen Jahren konnten auf diesem Weg bereits rund 900 000 Euro an Vereine, Initiativen oder Selbsthilfegruppen ausgereicht werden. Dem Blindenverband überreichte er im Rennsteiggarten eine Spende in Höhe von 400 Euro. Nothnagel nutzte die Gelegenheit, auf die Situation der Blinden und Sehbehinderten einzugehen. Das Thema der Inklusion aller Menschen, also die vollständige Teilhabe am öffentlichen Leben, betreffe Blinde wie Behinderte oder Senioren und Kinder gleichermaßen. Landes- und Bundespolitik dürften Inklusion nicht nur verbal anerkennen, sondern müssten für die Realisierung auch erheblich mehr Geld bereitstellen.

Nach dem Besuch des Rennsteiggartens fuhren die Teilnehmer des Tagesausfluges ins Lohmühlen-Museum in Tambach-Dietharz. Dort vernahmen sie Interessantes aus der Geschichte des Handwerks der Lohmüller, welche einst Lohe als Grundbestandteil von Gerbstoff gewannen. Auch erkundeten sie den Barfußpfad. Hier wies Wolfgang Leffler auf den Barfußpfad in Schmalkalden hin, welchen der Verein mit konzipiert hat.

Ein ganz anderes Kapitel schilderte er den Mitgliedern in puncto ärztlicher Versorgung. Als er selbst bei einem Notfall einen augenärztlichen Notdienst benötigte, wurde er an einen Augenarzt nach Neuhaus verwiesen. "Ich sollte mich rund 90 Kilometer hinfahren lassen. Und das bei einem Notfall", war Wolfgang Leffler entsetzt. Er wolle prüfen lassen, wer solche Notdienst-Pläne aufstellt und genehmigt. Maik Nothnagel wollte das Thema als Mitglied des Kreistages Schmalkalden-Meiningen ebenfalls im Behindertenbeirat ansprechen. Gerade im Notfall müsse ärztliche Grundversorgung besser organisiert sein, sagte er.

Von Erik Hande