Hinsichtlich einer inklusiven Bildung ist noch viel zu tun

am Montag, 25 November 2013.

Die Bildungskonferenz der Gewerkschaft Erziehung und Bildung „Eine gute Schule für alle – gute Bedingungen für alle.“, die in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen e.V. und der Heinrich-Böll-Stiftung am vergangenen Sonnabend in Erfurt stattfand, bestätigte erneut meine kritische Sicht, dass wir auf dem Weg zur inklusiven Bildung noch viele Schwierigkeiten zu überwinden haben. Die GEW wollte mit dieser Konferenz den Weg zur Inklusion in den Fokus ihrer Aufmerksamkeit nehmen. Sie sollte ein Anstoß dafür geben, den Weg zu einer inklusiven Bildung gemeinsam mit allen Beteiligten zu gehen. 

Wiederum wurde für mich deutlich, dass in erster Linie neues Handeln vor allem neues Denken bedarf. 

Teilweise sind mir während der Konferenz kalte Schauer über den Rücken gelaufen, was für ein Bild zum Teil über uns Menschen mit Behinderungen dort vorgeherrschte. Ich kam mir vor wie früher bei der Integration, denn ich glaube, viele haben noch nicht verstanden, was der Unterschied zwischen der Integration und der Inklusion ist. Manche Diskussionen waren von großem Unwissen und auch von großer Respektlosigkeit vor uns als Menschen mit Behinderungen geprägt. An den medizinisch defizitären Behindertenbild und der Aussonderungsmentalität hat sich nicht all zu viel getan. Und das ist der Skandal! Von dem Menschenrechtsansatz der UN-Behindertenrechtskonvention haben nur wenige Teilnehmer dieser Veranstaltung etwas gehört, geschweige denn verstanden.

Leider wurde auf der Konferenz wieder mal nur über uns gesprochen. Menschen mit Behinderungen waren so gut wie nicht unter den Teilnehmern  zu finden. Das Motto des Jahres der Behinderten, „Nichts über uns ohne uns!“ scheint selbst bei den Organisatoren der Konferenz wenig bekannt zu sein. Wir müssen als Menschen mit Behinderung endlich in diesen Prozess einbezogen werden, ansonsten reden die so genannten Spezialisten, Wissenschaftler und Praktiker wie „der Blinde von der Farbe“!

Ich wünsche mir, dass Menschen ohne Behinderungen nur mal eine Begutachtung über sich ergehen lassen, um wenigstens mal ansatzweise nachempfinden zu können, wie diskriminierend so etwas ist!

Ich wünsche mir in der ganzen Diskussion, dass es stärker um das Kind geht und nicht um die Institutionen und das es nicht um das ausspielen von unterschiedlichen Schulformen geht, sondern darum den menschrechtlichen Anspruch auf Inklusion endlich umzusetzen.

Das geht aber nicht ohne Veränderungen und schon gar nicht ohne Geld! Und da ist die Politik endlich gefragt! Bundes- und Landesregierung sollten zu ihrer Verpflichtung stehen, die UN-BRK in Deutschland umzusetzen und dafür auch die notwendigen Haushaltsmittel zur Verfügung stellen. Noch zu oft werden zur Thematik lediglich Sonntagsreden gehalten. Es darf nicht sein, dass die Umstellung von der Integration zur Inklusion auf dem Rücken der behinderten Kinder und deren Eltern und der Lehrer ausgetragen wird. Mehr Geld muss in das System gegeben werden, damit die Umstellung des jetzigen Schulsystems mit einer Übergangsphase, die auch mehr Geld kostet, endlich in ein inklusives Schulsystem umgewandelt werden kann. Und dazu bracht es halt endlich auch den Abbau von Barrieren in den Köpfen und eine Bewusstseinsbildung nach Artikel 8 der UN-BRK! Leider haben auch noch immer Menschen, darunter leider auch Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher Angst vor uns und das wird auch so bleiben, wenn dieser Weg nicht gemeinsam von allen Beteiligten gegangen wird. Dazu wollte die Konferenz richtiger Weise ermutigen. Die nächsten Schritte werden zeigen müssen, ob dieser Anspruch Früchte trägt.

 

Maik Nothnagel - MdL

Inklusionspolitischer Sprecher Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag

Sprecher der BAG „Selbstbestimmte Behindertenpolitik“ DIE LINKE

Verbandsrat DPWV

 

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