Projekt „Barrierefreie Schrankenanlagen zur Sicherung von Parkplätzen und -bauten“

am Montag, 22 Oktober 2012. Posted in Politik

Der Sozialverband Deutschland SoVD – Landesverband Thüringen bearbeitet im Auftrag des Bundeskompetenzzentrums Barrierefreiheit BKB das Projekt Barrierefreie Schrankenanlagen zur Sicherung von Parkplätzen und -bauten

Der Sozialverband Deutschland SoVD – Landesverband Thüringen bearbeitet im Auftrag des Bundeskompetenzzentrums Barrierefreiheit BKB das Projekt „Barrierefreie Schrankenanlagen zur Sicherung von Parkplätzen und -bauten“ mit dem Ziel, Hersteller von Schrankenanlagen für die Thematik zu sensibilisieren. Das Institut Verkehr und Raum ist beauftragt, ein Anforderungsprofil für barrierefreie Schrankenanlagen zur Sicherung von Parkplätzen und –bauten zu erstellen.

Die Gestaltung von barrierefreien Parkplatzflächen sowie die Lage und Anordnung dieser (vor oder hinter Schrankenanlagen, unmittelbare Nähe zum Ein- und Ausgang bzw. Aufzug, stufenloser Verbindungsweg, etc.) sind entscheidend für eine barrierefreie Nutzbarkeit, liegen aber nicht im Ermessen der Hersteller von Schrankenanlagen, sondern fallen in den Tätigkeitsbereich von Bauherren, Architekten und Betreibern von Parkplätzen und -bauten. Ebenso die Anordnung von Ein- und Ausfahrtskontrollen, welche in einem geraden Fahrbahnabschnitt mit ausreichend Abstand zu Steigungen und Gefällen installiert werden sollen.

Grundsätzlich sollen Schrankenanlagen außerhalb der für den Fußgänger vorgesehenen Flächen angeordnet werden. Ist eine eindeutige Trennung von Flächen für den Fußgänger- und Kfz-Verkehr nicht möglich, muss die Schranke/Schrankenanlage nach dem Zwei-Sinne-Prinzip taktil und visuell erkennbar sein sowie der Vorgang der Schrankenschließung akustisch und optisch signalisiert werden.

Bedienelemente zur Schrankenöffnung bei Ein- und Ausfahrt müssen vom Fahrzeug aus einfach erreich- und nutzbar sein. Zum einen ist hierbei auf eine visuell kontrastreiche Gestaltung unter Berücksichtigung der Rot-Grün-Sehschwäche zu achten. Für zukünftige Gerätegenerationen sollen neben den optischen Signalen zusätzliche akustische Signale bei der Bedienung Anwendung finden.

Zum anderen ist für Ein- und Ausfahrten die Gestaltung von Anforderungstastern von Bedeutung. Insbesondere Druckpunkttaster sind für Menschen mit Greifbehinderung oder auch ältere Menschen schwierig bzw. gar nicht zu bedienen, wenn diese nicht mindestens eine Tastengröße von ≥ 1,5 cm x 1,5 cm sowie eine Tastenerhabenheit von ≥ 1 cm aufweisen und mit geringem Kraftaufwand (≤ 22,2 N) bedienbar sind. Alternativ ist der Einsatz von Pilzkopftastern möglich. Aus Hersteller-Sicht wird erläutert, dass derzeit eher in die gegenläufige Richtung gearbeitet wird und der Einsatz von Sensortastern/Touchscreens vermehrt Anwendung findet.

Die Greifweite für die Betätigung des Anforderungstasters soll ≤ 50 cm von der Sitzposition im Fahrzeug betragen. Während der Gesprächsrunde wurde festgestellt, dass dieser Abstand in der Praxis problematisch sein kann. I. d. R. wird die Bedieneinrichtung bündig mit der Bordsteinkante ausgerichtet. Ebenso wurden verschiedene technische Lösungsmöglichkeiten angesprochen, wie beispielsweise eine bewegliche Säule, welche je nach Sitzposition (Erfassung durch Sensor) ihre Höhe verändert.

Tickets, Bons, etc. müssen leicht abzuziehen und zuzuführen sein. Der erforderliche Kraftaufwand zum Abziehen soll ≤ 22,2 N betragen, um das Ticket/den Bon leicht und in einer vordefinierten Zeit zu entnehmen. Um ein Ticket, etc. gut greifen zu können, soll dieses mindestens 2,5 cm aus dem Schlitz herausragen. Für Menschen ohne bzw. mit verkürzten oder versteiften oberen Extremitäten wurden im entwickelten Anforderungsprofil verschiedene Vorschläge zur Öffnung von Schranken gegeben. Zu unterscheiden ist hierbei zwischen der Bereitstellung von Lösungen zur Schrankenöffnung für einzelne Anlagen und einer universellen Lösung für perspektivisch alle Anlagen. Während verschiedenste individuelle Lösungsmöglichkeiten für einzelne Anlagen bereits bestehen bzw. relativ problemlos nachgerüstet/eingeführt werden könnten, sollte perspektivisch an universellen Lösungsmöglichkeiten für alle Anlagen gearbeitet werden, da nur so eine wirklich barrierefreie Nutzbarkeit sichergestellt werden kann. Denkbar wären z. B. folgende Ansätze:

  • Universelle (EURO-) Fernbedienung
  • einheitlicher RFID/UHF-Chip oder QR-Code am Fahrzeug für alle Anlagen unter Beachtung des Datenschutzes

 Die Idee der universellen Fernbedienung basiert auf dem Prinzip des EURO-Schlüssels, welcher es Menschen mit Behinderungen europaweit ermöglicht, Behindertentoiletten zu benutzen. Da in Bezug zu Schrankenanlagen jeder Hersteller eigene Technik einsetzt und keine einheitlichen/genormten Standards vorliegen, existiert derzeit keine einheitliche Schnittstelle, auf deren Basis eine betreiberunabhängige Kommunikation möglich wäre. Aus technischer Sicht wäre es aber unproblematisch, einen einheitlichen Standard zu definieren. Vielmehr müssten alle Hersteller, Gemeinden, Parkhausbetreiber, etc. solch ein System flächendeckend finanzieren und umsetzen.

Es wird auch darauf hingewiesen, dass durch den vermehrten Einsatz von Technik und Erfassung von Fahrzeugen die Belange des Datenschutzes in Deutschland zu berücksichtigen sind.

Nach Auffassung der SKIDATA AG werden Schranken langfristig verschwinden, da durch Weiterentwicklung technischer Möglichkeiten Fahrzeuge anders erfasst und Parkgebühren beispielsweise automatisch per monatlicher Abrechnung bezahlt werden können.


Maik Nothnagel
1. Landesvorsitzender SoVD Thüringen