„Was heißt hier behindert? – Thüringer Frauenpower“

am Montag, 12 November 2012. Posted in Politik

Was heißt hier behindert? – Thüringer Frauenpower

Das ist der Titel eines Dokumentarfilmes, der am 6. November 2012 im Diakonischen Bildungsinstitut Johannes Falk in Eisenach uraufgeführt wurde. Der Einladung der Projektkoordinatorin, Frau Heidi Hasse, zur Teilnahme an der Uraufführung bin ich gern nachgekommen.

Wie bereits andere Filme aus der Reihe „it works“ bemüht sich auch diese Dokumentation um einen fairen Blick auf die aktuelle Situation behinderter Menschen in Thüringen. Er stellt Frauen mit Behinderung vor, die an sehr unterschiedlichen Stellen ihre Frau stehen. Eines ist ihnen allen gemeinsam: Sie wollen ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben. Die alleinerziehende gehörlose Ein-Euro-Jobberin ebenso wie die Aktivistin der Behindertenszene, die kleinwüchsige Erzieherin wie die spastische junge Frau aus der Werkstatt, die sich gerade emanzipiert und weitere betroffene Frauen.

Einzelne Frauen aus dem Film kenne ich persönlich. So die Aktivistin der Behindertenszene, Barbara Vieweg. Sie war jahrelang meine „Chefin“ im Jenaer Zentrum für selbstbestimmtes Leben e.V..

Der Film stellt die Lebenssituation der Frauen real dar. Die Bilder vermitteln eine ungeschminkte Sichtweise auf die Situation und Problemlage der betroffenen Frauen. So wurde u.a. dargestellt, dass der kleinwüchsigen Erzieherin eine Riesterrente wegen ihrer Kleinwüchsigkeit verweigert wird und sie somit von einer privaten Altersversorgung ausgeschlossen ist. Das zeigt wie trotz UN-Behindertenrechtskonvention und den Menschenrechtsaspekt auch weiterhin behinderte Menschen diskriminiert und ausgrenzt werden.

Es überraschte mich nicht, dass die Teilnehmer an dieser gut besuchten Veranstaltung, vorrangig aus den Behindertenverbänden und verschiedenen Bildungseinrichtung im sozialen Bereich, zum Ausdruck brachten, dass die Dokumentation die Situation behinderter Frauen real widerspiegelt. Als behinderter Mann machte mich der Film erneut in eindrucksvoller Art und Weise auf die Doppeldiskriminierung von Frauen mit Behinderungen aufmerksam. Für die teilnehmenden Mitglieder von Bildungsträgern war die Dokumentation eine beeindruckende Selbstreflexion zum eigenen Berufsbild.

Insgesamt macht der Film, wie auch die anderen Filme des Filmprojekts „it works“ deutlich, welche Problemlagen es seit Ratifizierung der UN-Menschenrechtskonvention durch die Bundesrepublik im Jahr 2009 noch in Thüringen gibt.

Aus meiner eigenen politischen und ehrenamtlicher Arbeit in Behindertenverbänden weiß ich nur zu gut, dass die in diesem Dokumentationen dargestellten Einzelfälle aber keine Einzelbeispiele sind, sondern die tatsächliche Lebenssituation behinderter Menschen, insbesondere hinsichtlich der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben widerspiegeln. Sie zeigen damit, nicht nur Problemlagen auf, sondern weisen auch auf notwendigen Veränderungsbedarf hin.